
Wermut – Geschichte, Herstellung, Typen und Genuss
Wermut – Geschichte, Herstellung, Typen und Genuss
Wermut ist einer der unterschätzten Klassiker der Spirituosenwelt. Vielen ist er nur als Zutat im Martini oder Negroni bekannt, doch tatsächlich besitzt Wermut eine jahrhundertealte Tradition. Zwischen Medizin, Aperitif-Kultur und Cocktailgeschichte hat er sich einen festen Platz erobert – und erlebt heute ein bemerkenswertes Revival.
Die Ursprünge von Wermut
Der Name Wermut leitet sich vom Kraut Artemisia absinthium (Beifuß, auch Wermutkraut) ab. Schon in der Antike nutzten Griechen und Römer Kräuterweine zur Heilung und Verdauungsförderung. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich in Italien ein aromatisierter Wein, der gezielt mit Kräutern, Gewürzen und Zucker verfeinert wurde. Turin gilt als Wiege des modernen Wermuts, während Frankreich später eine eigene, oft trockenere Interpretation prägte.
Die Herstellung von Wermut
Im Kern ist Wermut ein aromatisierter Wein. Grundlage ist meist ein neutraler Weißwein, seltener Rotwein oder Rosé. Dieser wird mit Alkohol aufgespritet, um ihn haltbarer zu machen, und anschließend mit Kräutern und Gewürzen versetzt. Typisch sind neben Wermutkraut auch Zutaten wie Engelwurz, Zimt, Vanille, Kardamom, Kamille, Orangenschalen oder Nelken. Nach der Aromatisierung wird Zucker oder Karamell zugegeben, um das gewünschte Geschmacksprofil zu erreichen.
Das Ergebnis ist ein Getränk mit einem Alkoholgehalt zwischen 14,5 und 22 Prozent, das sowohl pur als auch im Cocktail glänzt.
Die wichtigsten Wermut-Typen
- Wermut Bianco: Hell, mild, mit einer feinen Süße. Leicht blumig und oft besonders beliebt als Aperitif.
- Wermut Rosso: Dunkel, aromatisch, kräftiger im Geschmack. Oft mit Karamell gefärbt, geprägt von würzig-süßen Noten.
- Wermut Dry: Trocken, mit deutlich weniger Zucker. Ideal für Cocktails wie den Dry Martini.
- Extra Dry: Noch herber als Dry, mit einem Zuckeranteil von weniger als 30 g pro Liter. Intensiv und klar strukturiert.
- Rosé Wermut: Modernere Variante, die mit Fruchtigkeit und Leichtigkeit punktet.
Wermut in der Kultur
Besonders in Italien und Frankreich gehört Wermut fest zur Aperitivo-Kultur. Ein Glas auf Eis, vielleicht mit einer Orangenzeste, eröffnet dort oft das Abendessen. In Spanien trinkt man „Vermut“ sogar pur mit Soda, als erfrischende Tradition an Sonntagnachmittagen. Auch in Deutschland entdecken Bars und Genießer den Wermut neu – sowohl als Aperitif als auch als eigenständiges Trendgetränk.
Wermut in Cocktails
Kaum eine Spirituose ist so vielseitig wie Wermut. Er bildet die Basis oder wichtige Zutat in zahlreichen Cocktail-Klassikern:
- Martini: Gin und Dry Vermouth – einer der berühmtesten Drinks der Welt.
- Negroni: Gin, Campari und Rosso Vermouth – bitter, komplex und zeitlos.
- Manhattan: Whiskey, Rosso Vermouth und Bitters – elegant und kräftig.
- Americano: Campari, Rosso Vermouth und Soda – leicht und erfrischend.
Moderne Trends rund um Wermut
- Handwerklicher Wermut: Kleine Produzenten setzen auf regionale Kräuter und eigene Weine.
- Bio und Natur: Nachhaltig produzierte Weine und natürliche Botanicals stehen im Fokus.
- Food Pairing: Wermut wird vermehrt zu Speisen serviert – von Tapas bis hin zu Käseplatten.
- Ready-to-Drink: Fertige Wermut-Soda-Mischungen werden als leichte Aperitif-Alternative populär.
Fazit
Wermut ist mehr als nur ein Cocktail-Zutat. Er ist ein Brückenschlag zwischen Wein und Spirituose, zwischen Tradition und Moderne. Ob klassisch im Martini, pur auf Eis oder als Trend-Drink mit Soda – Wermut beweist, dass auch altbekannte Getränke immer wieder neu entdeckt werden können.